Am Anfang war das Wort
März 12, 2016 — 19:43

Walker Evans

Bekannt ist Walker Evans für seine Fotos der Farmkrise in den USA. Drei Wochen reichten aus, um mit einer für den Auftraggeber unbrauchbaren Reportage Fotogeschichte zu schreiben. Deutlich länger arbeitete er für eines der renommiertesten Wirtschaftsmagazine weltweit. Einundzwanzig Jahre lang war er festangestellter Fotograf der Zeitschrift Fortune. Der Beitrag „Am Anfang war das Wort“ erschien in der Ausgabe 2/2016 der Zeitschrift Pictorial. walker_evans_lars_bauernschmitt_2016

Handbuch des Fotojournalismus
September 14, 2015 — 20:25

Advertorial ;-)

Handbuch_Fotojournalismus_Titel

Klappentext:

Fotojournalisten tragen die Welt in die Wohnzimmer. Kein Ereignis, keine gesellschaftliche Veränderung, die nicht im Bild festgehalten und durch das Bild publik gemacht würde. Was wir über die Welt wissen, vermittelt sich uns vorwiegend über Fotos. Fotos steuern unsere Wahrnehmung und entscheiden darüber, wie wir Geschehen rezipieren und an welche Ereignisse wir uns in Zukunft erinnern werden. Die Bedeutung von Fotos in der Mediengesellschaft ist größer als jemals zuvor. Das Informationszeitalter gehört denen, die Bilder lesen können.

In 55 Beiträgen liefern Lars Bauernschmitt und Michael Ebert einen Abriss über die Geschichte des Fotojournalismus von seinen Anfängen bis heute, geben einen intensiven Einblick in die wesentlichen fotojournalistischen Sujets und präsentieren profunde Analysen der aktuellen Entwicklungen eines sich rasant verändernden Mediums.

Neben grundlegenden Informationen zu den wichtigsten Erzählformen behandelt das Buch rechtliche, wirtschaftliche und berufspraktische Themen. In 18 Interviews erklären Fotografen, Bildredakteure und renommierte Kenner der Szene die Entwicklungen im Fotojournalismus aus ihrer jeweils ganz persönlichen Perspektive und verraten, wo sich neue Betätigungsfelder auftun und wie sich die aktuellen Veränderungen nutzen lassen.

Das Buch wendet sich an alle, die sich für Fotojournalismus interessieren. Es spricht sowohl aktive Fotografen als auch Leser an, die Fotojournalismus nur in den Medien konsumieren. Engagierte Amateure werden ebenso umfassend informiert wie gestandene Profis.

Aus dem Inhalt:

• Die Ära der großen Bilder

• Bildjournalistische Ausdrucksformen

• Kriegsfotografie – der Tod als ständiger Begleiter

• Bildjournalismus in digitalen Zeiten

• Der Markt der Bilder

• Lokaljournalismus – Abenteuer vor der eigenen Haustür

• Die digitale Dunkelkammer

• Politik – Im Schatten der Kanzler

• Fotojournalismus in PR und Öffentlichkeitsarbeit

Lieferbar ab 28.09.2015; ca. 430 Seiten; 39,90 Euro.

http://dpunkt.de/buecher/3389/9783898648349-handbuch-des-fotojournalismus.html

Sex im Job
April 25, 2015 — 14:25

Anmerkungen zur FotografInnenausbildung

In Deutschland gibt es neben ungefähr 60 staatlichen auch eine Vielzahl privater Ausbildungsangebote im Bereich Fotografie. Nicht jeder Studiengang ist für jede(n) geeignet. Über das, was  einen jeweils erwartet, kann man sich informieren, um dann das individuell passende Angebot auszusuchen. Zwischenruf Nr. 4 in der Photonews 5/15

First-Class die Welt erklären
Dezember 31, 2014 — 12:44

Reisefotografie (Teil 2)

In der Blütezeit der illustrierten Zeitschriften fotografierte Robert Lebeck für Kristall, Stern und Geo. Damals gab es für Fotografen noch echte Traumjobs und Journalisten wurden zu Welterklärern – zumindest gaben die Redaktionen das vor. Der Beitrag “First-Class die Welt erklären” erschien in der Ausgabe 1/2015 der Zeitschrift Pictorial. Pictorial_Lebeck_Lars_Bauernschmitt_2015

Die Seele berühren, den Geist erweitern.
September 1, 2014 — 0:01

Ein Gespräch mit National Geographic Fotograf Gerd Ludwig

Gerd Ludwig studierte bei Otto Steinert und fotografiert für National Geographic. In diesem Jahr erhält er den Dr.-Erich-Salomon-Preis. Lars Bauernschmitt war 1983 Praktikant des Fotografen und kennt Gerd Ludwigs Arbeit seit über dreißig Jahren. Ein Gespräch. Der Beitrag “Die Seele berühren, den Geist erweitern” erschien in der Ausgabe 5/2014 der Zeitschrift Pictorial.

Traumreisen
Juli 1, 2014 — 0:01

Reisefotografie (Teil 1)

Nur weil Reisende am Urlaubsort Fotos machen, bedeutet das nicht, dass die Bilder auch über das Reiseziel informieren. Schon in ihren Anfängen diente die Fotografie der Verbreitung von Vorurteilen über die Fremde. Der Beitrag “Traumreisen” erschien in der Ausgabe 4/2014 der Zeitschrift Pictorial.

greatpyramidandsphinx

Francis Frith. The Sphinx and the Great Pyramid Geezah. 1858. Albumen print.

Lumix Festival für jungen Fotojournalismus
April 29, 2014 — 21:44

Wenn vom 18. bis 22. Juni 2014 zum vierten Mal das Lumix Festival für jungen Fotojournalismus in Hannover stattfindet, wird die Expo Plaza wieder Treffpunkt für Fotojournalisten, Blattmacher und Bildredakteure aus aller Welt. Doch nicht nur das Fachpublikum kommt – die Mehrzahl der Besucher sind Interessierte, die einfach gute Geschichten sehen wollen. Die Besucherzahlen des weltweit wichtigsten Festivals für jungen Fotojournalismus beweisen die ungebrochene Kraft der Fotografie und die Bedeutung des Mediums in der Informationsgesellschaft. Der Beitrag “Lumix Festival für jungen Fotojournalismus” erschien in der Ausgabe 3/2014 der Zeitschrift Pictorial.

Microsoft Word - Dokument2Microsoft Word - lumix_2.docx

Blick in das Atrium der Expo Plaza 2, dem zentralen Treffpunkt während des Festivals (links). STERN Fotochef Andreas Trampe im Gespräch mit Studierenden in einer Ausstellung (rechts). Fotos: Florian Wallenwein/HsH und Nick Neufeld/HsH

Bilderkrieger
April 6, 2014 — 22:47

Rezension

Was bewegt Menschen dazu, in den Krieg zu gehen, um von dort unter Einsatz ihres Lebens zu berichten. Wie erleben sie den Umgang mit ihrer Arbeit, die oft schockiert und trotzdem immer wieder zu der Frage führt, ob sie überhaupt etwas verändert. Michael Kamber sprach mit zwanzig Kriegsfotografen und -fotografinnen. In seinen intensiven Interviews berichten sie von ihren Ängsten und Hoffnungen, ihren Träumen und Alpträumen. Sie berichten von ihren ganz individuellen Arbeitsweisen und Einstellungen, ebenso wie von dem Krieg als Medienrummel und den Plünderungen durch Journalisten – ohne Kitsch und Pathos. Zwanzig Portraits von Menschen, die an Grenzen gehen und manchmal dabei ihr Leben lassen.

Bilderkrieger, Michael Kamber, übersetzt von Fred Grimm mit einem Vorwort von Takis Würger, 288 Seiten, ISBN 978-3-940138-44-6, www.ankerherz.de

Zwischen den Fronten: Grenzen neutraler Berichterstattung
April 6, 2014 — 22:45

Rezension

Können Journalisten überhaupt neutral berichten? Und wie beeinflussen soziale Herkunft, Nationalität, kultureller Hintergrund die „objektive“ Berichterstattung? In fünf Kapiteln widmen sich unterschiedliche Autoren den Fragen, die sich Leser und Berichterstatter stellen müssen in einer Zeit wo Facebook und Twitter die Teilhabe in Echtzeit suggerieren und die Quellen von Informationen immer weniger verifizierbar sind.

Zwischen den Fronten: Grenzen neutraler Berichterstattung, Erik Bettermann und Ronald Grätz, 200 Seiten, ISBN 978-3-86930-674-2, www.steidl.de

Besondere Kennzeichen – Keine
März 1, 2014 — 0:01

Corporate Photography

Die gedankliche Armut der sogenannten Corporate-Photography ist ähnlich umfassend wie ihr weltweiter Einsatz. Doch das Phänomen könnte enden, wenn auch die Honorare den Nullpunkt erreicht haben. Der Beitrag “Besondere Kennzeichen – Keine” erschien in der Ausgabe 2/2014 der Zeitschrift Pictorial. corporate_photography_lars_bauernschmitt_2014

Was bin ich?
Juli 1, 2013 — 0:01

Haus-, Firmen- und Kundenzeitschriften

Im publizistischen Bermudadreieck verschwinden die Grenzen zwischen Journalismus, Werbung und Public Relations. Der Beitrag “Was bin ich?” erschien in der Ausgabe 4/2013 der Zeitschrift Pictorial.

n-ost Reportagepreis 2013
Juni 13, 2013 — 22:45

Laudatio auf Meinrad Schade

Für seinen Essay Nagorni Karabach – Der lange Schatten des Unabhängigkeitskrieges erhielt Meinrad Schade den n-ost-Reportagepreis 2013 in der Kategorie Fotoreportage. Die Laudatio würdigt seine Arbeit und fragt nach der Funktion von Fotos im Journalismus.

meinrad_schade

Neue Zürcher Zeitung, 01.Oktober 2012

In der Kategorie Foto wurden 2013 beim n-ost Reportagepreis 22 Bildstrecken eingereicht. Drei Arbeiten nominierte die Jury bevor sie nach langer und intensiver Diskussion eine Arbeit zum Sieger kürte. Nominiert wurden: Muscle Beach von Kirill Golovchenko, eine klassische Reportage über Kraftsportler in Kiew, Nagorni Karabach – Der lange Schatten des Unabhängigkeitskrieges, ein Foto-Essay von Meinrad Schade, und 9645 Kilometer Erinnerung, ein Foto-Projekt über Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges von Helena Schätzle.

Gewonnen hat: Meinrad Schade.

Ausgezeichnet hat die Jury einen Foto-Essay über die ehemalige sowjetische Kaukasusrepublik – eine Reihe von Einzelbildern, der alltäglichen Normalität in Nagorni-Karabach, veröffentlicht in der Neuen Zürcher Zeitung http://www.nzz.ch/meinung/foto-tableau/#gallery:1-17643467 . Es sind auf den ersten Blick ganz einfach lesbare Fotos – doch bei genauem Hinsehen ändert sich der Eindruck. Details in den Bildern stimmen nicht. Die Situationen sind bei längerem Betrachten nicht so klar wie sie auf den ersten Blick schienen. Die Brüche in den Fotos sind visuelle Übersetzungen der Stimmung in der Region, in der die Menschen seit vielen Jahren auf eine Lösung des Konfliktes zwischen den verfeindeten Südkaukasus-Staaten warten. Den Betrachtern der Fotos stellen sich Fragen, deren Antworten offen bleiben – so offen wie die weitere Entwicklung des Staates, den bisher niemand anerkennt. Der Fotograf dieser Aufnahmen tritt nicht als allwissender Welterklärer auf wie viele seiner fotografierenden oder schreibenden Kolleginnen und Kollegen. Der Fotojournalist Meinrad Schade formuliert Fragen und lässt offen was eben nicht erklärbar ist. Der in der NZZ veröffentlichte Foto-Essay ist Teil eines Langzeitprojektes. Unter dem TitelSpurensuche an den Rändern der Konflikte dokumentiert Meinrad Schade weltweit Orte, an denen die Spuren der Kriege erst auf den zweiten Blick sichtbar werden.

Die Fotos des diesjährigen Preisträgers wurden zwischen dem 01. und dem 05. Oktober 2012 in der Neuen Zürcher Zeitung veröffentlicht. An fünf aufeinander folgenden Tagen erschien täglich jeweils ein Einzelbild mit einem kurzen Bildtext auf der Seite mit dem Titel „Meinung und Debatte“. Es war immer das einzige Bild auf der Seite. Diese Platzierung ist bemerkenswert. Sie ist ein Statement. Die Fotos in der Rubrik zu veröffentlichen, in der auch die geschriebenen Kommentare veröffentlicht werden, ist ein Bekenntnis zur Fotografie. Fotos und Texte werden in der Rubrik als gleichwertige journalistische Ausdrucksformen präsentiert. Dieser Ansatz trägt der medialen Entwicklung der letzten Jahre Rechnung. Der journalistischen Fotografie kommt heute eine größere Bedeutung zu als jemals vorher. Wer Informationen sucht, steht heute vor der Schwierigkeit aus der Masse der zur Verfügung stehenden Quellen ganz unterschiedlicher Qualität die für ihn relevanten Informationen zu filtern. Wer Botschaften übermitteln will, steht in Konkurrenz zu einer unübersehbaren Vielzahl anderer Sender und muss um Aufmerksamkeit kämpfen. Die Tatsache, dass nur ein Bruchteil der verbreiteten Angebote Beachtung finden können, führt zu einem Ringen um Aufmerksamkeit. Ein Mittel um wahrgenommen zu werden ist die Übersetzung von Themen und Inhalten in Bilder. Schneller zu erfassen als Texte entscheiden Bilder darüber, ob eine Botschaft wahrgenommen wird, sehr oft aber auch darüber, wie sie verstanden wird. Welche Möglichkeiten die Fotografie dabei bietet, wie Fotografie überhaupt funktioniert, scheint für viele Redaktionen aber noch immer ein Geheimnis zu sein. Anders ist nicht zu erklären, was in vielen Zeitungen und Zeitschriften immer wieder gedruckt wird. Es muss nicht so schlimm kommen wie bei der Sonntagszeitung, die ein Foto von ein paar grünen Bauklötzen druckte, um einen Bericht über ökologisches Bauen zu illustrieren.

Dabei können Fotos Inhalte vermitteln, ob in Verbindung mit einem Text oder unabhängig davon. Die Redaktion aber muss die Funktion der Fotos im Blatt und in den Artikeln für sich geklärt haben und verstanden haben was Fotografie im Allgemeinen und Fotojournalismus im Speziellen leisten können. Die Neue Zürcher Zeitung hat das begriffen. Deshalb soll an dieser Stelle nicht nur das Schaffen des Fotografen gelobt werden, sondern auch die Arbeit der Redaktion der NZZ. Sie hat den Mut Bilder zu drucken, die nicht innerhalb von Sekunden überblättert und vergessen sind. Die NZZ setzt Fotos ein die eigene Inhalte vermitteln. Die Schweizer Redaktion vertraut auf die Intelligenz ihrer Leser und gibt ihnen die Möglichkeit, sich mit inhaltlicher Fotografie zu beschäftigen.

Die Neue Zürcher Zeitung druckt Fotos die über längere Zeit entwickelt wurden. Nicht nur technisch sondern auch gedanklich, inhaltlich. Auch das scheint heute etwas aus der Mode zu sein. Auftraggeber erwarten im Online-Zeitalter eine prompte Lieferung. Werden Fotos aber digital aufgenommen und wohlmöglich innerhalb von Minuten oder gar Sekunden noch vom Ort der Aufnahme publiziert, fehlt den Fotografen die Möglichkeit zur notwendigen Reflexion eines Ereignisses. Als Fotos noch auf Film aufgenommen wurden und danach erst einmal entwickelt werden mussten, entstand zwangsläufig ein zeitlicher Abstand zwischen Aufnahme und Veröffentlichung, der allen an der Veröffentlichung Beteiligten die Möglichkeit gab, die fotografierten Ereignisse aus der Distanz erneut zu betrachten und unter Umständen anders zu bewerten als im Moment der Aufnahme. Foto-Journalisten müssen sich heute genauso wie ihre schreibenden Kollegen entscheiden wie sie arbeiten wollen. Wollen sie als Autoren mit einer persönlichen Haltung erkennbar sein, müssen sie ihre Arbeit entschleunigen. Wollen sie nicht nur das mediale Grundrauschen weiter verstärken, müssen sie darauf verzichten, ihre Arbeit mit der technisch möglichen Geschwindigkeit zu verbreiten.

Meinrad Schade hat sich entschieden. Sein Essay ist über längere Zeit entstanden, seine Fotos transportieren seinen Standpunkt. Und die Neue Zürcher Zeitung ist den Weg mit ihm gegangen.

Herzlichen Dank Meinrad Schade.

Weitere Informationen: http://www.n-ost.org/reportagepreis

Das kurze Leben der Fakten
Februar 1, 2013 — 0:01

Rezension

Was als Reportage über einen Selbstmord in Las Vegas begann wurde ein sieben Jahre  langer Kampf des Autors John D’ Agata mit Jim Fingal, der die Fakten der Geschichte prüfen sollte. Das Buch zeigt sehr unterhaltsam was passiert, wenn ein erfahrener Autor an einen jungen Kollegen gerät, der noch nicht akzeptiert hat, dass man sich eine gute Geschichte eben nicht durch zu viel Genauigkeit kaputt recherchieren sollte, wie viele alte Hasen des Gewerbes glauben. Der Dialog der beiden über die Details des Artikels offenbart wie Journalismus funktioniert, wie fließend die Grenze zwischen Tatsachen und Vermutungen verläuft und warum man den Unterschied zwischen beiden eben doch kennen sollte.

Das kurze Leben der Fakten, John D’ Agata und Jim Fingal, übersetzt aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn, 176 Seiten, ISBN 978-3-446-24138-1, http://www.hanser-literaturverlage.de

Best of Corporate Publishing 2013
Januar 1, 2013 — 0:01

Rezension

So schön ist Printkrise – und so falsch der Begriff. Wenn Verlage über Leserschwund und Auflagenrückgang stöhnen, finden sie hier eine Erklärung. Die ausgezeichneten Unternehmenspublikationen zeigen, wie Inhalte aufbereitet werden müssen, um Leserinnen und Leser zu finden. Ein Lehrbuch für redaktionell Verantwortliche, die die Verantwortung für eigenes Versagen beim Publikum suchen, das angeblich ins böse Internet abwandert. Im CP Bereich steigen die Auflagen und Honorare für Autoren werden auch gezahlt.

Best of Corporate Publishing 2013, FCP Forum Corporate Publishing e.V., und HORIZONT productions, (Hg.), 624 Seiten, ISBN: 978-3-86641-288-0, http://www.best-of-corporate-publishing.de

Wozu brauchen wir noch Journalisten?
Januar 1, 2013 — 0:01

Rezension

Verlagsgeschäftsführer die ihre Unternehmen von Journalismus auf Tiernahrung umstellen, wären verwundert würden sie die Texte der drei Vorlesungen erfassen, die Armin Wolf an der Universität Wien hielt. Nicht nur für Journalisten beschreibt er: „Wie sich Mediennutzung verändert – und was Journalistinnen und Journalisten daraus lernen können und müssen“, „Was können professionelle Medien, was Blogger, Wikileaks und Wikipedia(noch?) nicht können?“ und „Warum Politiker-Interviews noch immer sinnvoll sind – auch wenn es nicht immer so aussieht“.

Wozu brauchen wir noch Journalisten?
 Theodor-Herzl-Vorlesung zur Poetik des Journalismus,
 Armin Wolf und Hannes Haas (Hg.), 144 Seiten, ISBN 978-3-85452-697-1, http://www.picus.at

Social Media Marketing und Recht
Januar 1, 2012 — 0:01

Rezension

Eine Präsenz im Netz herzustellen ist einfach. Doch die Gestaltung der Inhalte ist nur eine Seite der Medaille. Die juristischen Fallstricke sind die andere Seite. Thomas Schwenke erklärt wie man rechtlich nicht stolpert.

Social Media Marketing und Recht, Thomas Schwenke, 576 Seiten, ISBN 978-3-86899-142-0, O’Reilly Verlag,http://www.oreilly.de

Der entfesselte Skandal
Januar 1, 2012 — 0:01

Rezension

Kommunikation hat sich verändert. Im digitalen Zeitalter verbreiten sich unüberlegte Äußerungen und peinliche Handy-Filmchen um den Globus und wirken ebenso langanhaltend wie verheerend. Bilder und Texte lösen Skandale aus, beenden Karrieren und zerstören Leben weil sie dauerhaft sichtbar bleiben. „Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“ so der Untertitel des Buches beschreiben Bernhard Pörksen und Hanne Detl.

Der entfesselte Skandal, Bernhard Pörksen und Hanne Detel, Herbert von Halem Verlag, 248 Seiten, ISBN: 978-386962-058-9, http://www.halem-verlag.de

Recht am Bild
Januar 1, 2012 — 0:01

Rezension

Genauso schnell wie ein Foto gemacht ist kann es um das Werk zu rechtlichen Auseinandersetzungen kommen. Wer Fotos macht oder sie publiziert sollte wissen, auf welcher Grundlage das passiert – und wie man Probleme vermeidet. Florian Wagenknecht und Dennis Tölle erklären das Thema umfassend.

Recht am Bild, Florian Wagenknecht und Dennis Tölle, 316 Seiten, ISBN: 978-3-86490-010-5, dpunkt.verlag, http://www.dpunkt.de

Früher war mehr Lametta
November 1, 2011 — 0:01

Visa pour l‘ Image in Perpignan 2011

Seit 23 Jahren ist Perpignan der Ort, wo sich am Ende des Sommers Fotojournalisten, Agentur-Verantwortliche und Bildredakteure treffen – und von besseren Zeiten träumen.  Der Beitrag „Früher war mehr Lametta“ erschien in der Ausgabe 6/2011 der Zeitschrift Pictorial.

Die Zusammenarbeit zwischen Bildagentur und Fotograf
Januar 1, 2011 — 0:01

Die Zusammenarbeit einer Bildagentur und eines Fotografen sollte von beiden Seiten langfristig angelegt werden. Kurzfristige Kooperationen machen wenig Sinn und kosten beide Seiten nur Zeit und Geld. Die Entscheidung zur Zusammenarbeit muss deshalb von beiden Seiten gründlich überlegt geschehen.  Der Beitrag „Die Zusammenarbeit zwischen Bildagentur und Fotograf“ erschien zwischen 2003 und 2011 jährlich überarbeitet im BVPA Handbuch der Bildermarkt.

Als in der Strassenbahn der Strom ausfiel – Bürgerreporter
Dezember 6, 2010 — 20:52

Ambitionierte Hobbyfotografen wollen ihre Fotos veröffentlicht sehen. Das ist legitim aber kein Journalismus.

Gewohnt souverän schafft Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg wie immer Spitzenwerte. In der Beliebtheit schlägt er die Bundeskanzlerin und wenn es um Nutzungsrechte an seinem Portrait geht überrundet er sogar Otto Waalkes. Während Fotos, die den alternden Komiker beim Schreiben von Autogrammen zeigen, für 25,- € zu haben sind, kostet ein einfaches Guttenberg-Foto auf der PlattformTvype das Doppelte. Nun sollte Otto aber nicht gleich verzweifeln, Fotos der Straßenbahn, die auf der Chausseestrasse in Berlin wegen Stromausfalls liegen geblieben ist, können Interessierte bereits für 15,- € erwerben. Die Preise sind so die Selbstdarstellung des Anbieters „professionell ermittelt“. Doch die Plattform leistet mehr: „Erfahrene Bildredakteure helfen interessierten Amateuren das maximale aus ihrem Hobby herauszuschlagen – einfach schnell und transparent.“ Doch nicht nur die Preiskalkulation ist einfach, auch ethische Fragen werden für interessierte Lieferanten gelöst. Die Plattform ist „Ihr Partner auf der Suche nach aktuellen, nutzergenerierten Inhalten. Wir kümmern uns um die Auswahl der Fotos/Videos und klären für Sie alle ethischen und rechtlichen Fragen.“ Alles also ganz einfach. Eigentlich muss man nur den Auslöser finden und das Foto hoch laden um weltweit wahrgenommen und veröffentlicht zu werden.

Seit Fotos digital fotografiert mit einer Kamera oder dem Handy sich über den eigenen Rechner im Internet präsentieren lassen kann jedermann und –frau dem weltweiten visuellen Overload weitere Beiträge hinzufügen. Demokratisierung nennen das die Verantwortlichen und sehen in ihrem Angebot einen Beitrag, die Inhalte der Medien mehr an den Interessen der Leser auszurichten. Kommen so doch endlich Themen auf die Agenda, die bisher dem Mainstream geopfert wurden. Und wenn man sich dann noch in einem Atemzug mit Wikileaks nennt bekommt der Gedanke gleich etwas Revolutionäres.

Schöne Idee.

Schon immer gab es Fotografinnen und Fotografen, die einfach zum eigenen Vergnügen Bilder machten. Seit Erfindung der Fotografie entstehen durch Amateure hervorragende Aufnahmen, die auch ihren Weg zur Veröffentlichung fanden. Auf dem Markt illustrativer Einzelbilder tummeln sich Fotografen, die aus Spaß an der Freude Bilder machen, die denen professioneller Fotografen in Nichts nachstehen und von Bildagenturen weltweit vertrieben werden. Technisch-handwerklich sauber gemacht dienen diese Bilder als Dekoration ohne Tiefgang und Bedeutung. Die Fotos haben keine Botschaft und transportieren keine Haltung. Beliebig einsetzbar und genauso austauschbar. Illustration – nur eben kein Journalismus. Journalismus ist etwas anderes. Journalismus ist die Übermittlung von Fakten und das Vertreten einer Haltung. Journalismus bedeutet Wichtiges vom Unwichtigen zu trennen. Journalismus braucht Zeit. Fakten recherchieren und überprüfen dauert solange wie es dauert. Um eine Position zu einem Geschehen zu entwickeln, muss es reflektiert werden. Die Publikation relevanter Informationen darf nicht davon abhängen, ob ein Autor gerade Zeit hat oder nicht, weil er noch einem anderen Job nachgehen muss um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Natürlich können auch Amateure bei aktuellen Ereignissen akzeptable fotografische Ergebnisse erreichen, die Masse schafft es aber leider nicht. Die überwiegende Zahl der Fotos der Bürgerreporter ist schlecht fotografiert und thematisch irrelevant – außer für diejenigen, die gerade in der Straßenbahn saßen, als der Strom ausfiel. Wenn Bürgerreporter als Ergänzung oder Ersatz für professionelle Journalisten angesehen werden, haben etablierte Medien durch ständige Einsparungen, die immer zu Lasten der Qualität gingen, dazu beigetragen, den Sinn für Qualität bis auf den absoluten Nullpunkt zu senken.

Schon immer suchten lokale Publikationen die Leser-Blatt-Bindung zu festigen durch die Verbreitung von „Informationen“ die von den Lesern aus der Region geliefert wurden. Unter dem Stichwort User-Generated-Content wurde diese Idee neu  verpackt – der Qualität hat es nicht gedient. Würde die Idee der Bürgerreporter auf die Fußballbundesliga übertragen werden, liefen nach der Winterpause ambitionierte aber nicht wirklich trainierte Freizeitkicker in die Stadien ein, um den überbezahlten Stars des runden Leders einmal zu zeigen, was auf dem Feld noch möglich ist – außer dem routinierten Abarbeiten angelernter Spielzüge. Vielleicht will das aber gar keiner sehen und vielleicht haben deshalb bisher sowohl Uli Hoeneß als auch Felix Magath auf die Umsetzung dieser Idee verzichtet. Auch wenn das Kicken auf Straßen und Plätzen seinen Reiz für die Macher haben kann, bleibt die Attraktivität für die Zuschauer gering.

Glücklicherweise besteht bei den Managern der Fußball-Vereine und den Amateurkickern ein größeres Bewusstsein für Qualität, als das bei Verlagsleitern der Fall ist, die ihre Publikationen durch die Arbeit der Bürgerreporter bereichern oder den Fotoamateuren die am Wochenende mal von der Titelseite träumen. Vor dem Hintergrund der heutigen Bedeutung von Bildern im Allgemeinen und Fotografie im Besonderen ist es an der Zeit, endlich ein Bewusstsein für Qualität in der Fotografie zu schaffen und Fotografie angemessen zu honorieren, statt sie nur als Kostenfaktor zu betrachten.

Ein Zwischenruf für Bildwerk3

Die Kundenzeitschrift
Januar 1, 2010 — 0:01

Rezension

Während journalistische Zeitungen und Zeitschriften an Auflage verlieren, boomt der Markt der Haus-, Firmen- und Kundenzeitschriften. Kurt Weichler und Stefan Endrös beschreiben den Markt der Kundenzeitschriften, stellen ausgewählte Publikationen vor und beschreiben die Publikationen als Berufsfeld.

Die Kundenzeitschrift, Kurt Weichler und Stefan Endrös, 216 Seiten, ISBN 978-3-86764-263-7, Verlag: UVK Verlagsgesellschaft mbH, http://www.uvk.de

Einen Bildermarkt gibt es nicht …
Januar 1, 2009 — 0:01

Zur Situation des Handels mit Bildrechten

Fragt man Branchen-Experten nach ihrer Einschätzung der Situation am Bildermarkt bekommt man sehr unterschiedliche Antworten. Fast scheint es, als betrachteten die Kenner nicht denselben Markt. Doch der Eindruck ist richtig – verschiedene Fachleute sprechen in der Regel tatsächlich über ganz unterschiedliche Märkte. Häufig, wenn über den Handel mit Fotos gesprochen wird, ist sogar unklar, was der einzelne überhaupt als Bildermarkt betrachtet. Der Beitrag „Einen Bildermarkt gibt es nicht …“ erschien 2009 und 2010 im BVPA Handbuch der Bildermarkt.

Neue Chancen für das stille Bild
Januar 1, 2008 — 0:01

Der Strukturwandel auf dem Medienmarkt

Trotz der Allgegenwart bewegter Bilder in den elektronischen Medien, hat das stehende Bild nicht nur seine Berechtigung sondern auch eine Zukunft. Denn allen Spekulationen über ihren baldigen Untergang zum Trotz, haben Zeitungen und Zeitschriften gerade im Internet-Zeitalter als Qualitätsmedien mehr denn je ihre Berechtigung. Der Strukturwandel auf dem Medienmarkt bietet damit auch neue Chancen für die Fotografie.  Der Beitrag „Neue Chancen für das stille Bild“ erschien 2008 im BVPA Handbuch der Bildermarkt.

Wie im echten Leben
Januar 1, 2007 — 0:01

Rezension

Aufgeklärte Zeitungsleser und informierte Fernsehzuschauer wissen es: Die Macher in den Redaktionen sind für ihre Berichterstattung angewiesen auf Korrespondenten. Die Männer und Frauen vor Ort recherchieren und finden über persönliche Kontakte die ganze Wahrheit der (Welt)-Geschichte heraus – oder eben nicht. In seinem Buch mit dem Untertitel „Von Bildern und Lügen in Zeiten des Krieges“ beschreibt Joris Luyendijk, der fünf Jahre als Korrespondent im Nahen Osten tätig war, wie weit weg vom Geschehen der Mann vor Ort oft ist und wie wenig er manchmal tatsächlich zur Aufklärung des Geschehens in seiner (vermeintlichen) Nähe beitragen kann.

Wie im echten Leben, Joris Luyendijk, 256 Seiten, ISBN: 978-3-608-50025-7, http://www.tropen-verlag.de

Ich bin Fotograf und kein Koch …
Oktober 1, 2006 — 0:01

Gespräch mit National Geographic Fotograf Gerd Ludwig über seine Eindrücke des Visa pour l‘ Image in Perpignan 2006 und die Situation im internationalen Fotojournalismus. Das Gespräch erschien in der deutschen Ausgabe der Zeitschrift visuell 6/2006 und als englische Übersetzung in der internationalen Ausgabe 5/2006.

Mit einer Ausstellung im Programm des internationalen Festivals VISA POUR L‘ IMAGE in Perpignan präsentiert zu werden, ist für jeden Fotojournalisten eine besondere Auszeichnung. Der VISUM Fotograf Gerd Ludwig, der seit Jahren zur Stammmannschaft von National Geographic gehört, ist in diesem Jahr bereits zum dritten Mal mit einer Ausstellung in Südfrankreich vertreten. Vor der diesjährigen Ausstellung, The Long Shadow of Chernobyl, wurde 1995 seine Arbeit Lethal Legacy, Pollution In the USSR gezeigt. 2002 folgte seine Ausstellung Broken Empire – After the Fall of the USSR gleichzeitig mit dem Erscheinen des gleichnamigen Buches.

VISUELL: Die Arbeit wurde ja bereits in Ausstellungen gezeigt, was unterscheidet diese Präsentation in Perpignan von den vorangegangenen?

Gerd Ludwig: Die anderen Ausstellungen, unter anderem im Willy Brandt Haus in Berlin, waren Gruppenausstellungen, in denen ich auch Fotos aus Tschernobyl aus früherer Zeit gezeigt habe. Dies ist die erste grosse Tschernobyl-Einzelausstellung nur mit aktuellen Fotografien. Entscheidend für mich ist aber auch das Umfeld der Ausstellung. Die Fotos hängen hier auf dem wichtigsten internationalen Festival für Fotojournalismus. Der Organisator des Festivals, Jean-Francois Leroy, sucht weltweit nach den besten Reportagen für diese Präsentation. Nach meinen Informationen sichtet er dazu fast 4.000 Reportagen pro Jahr, um dann 30 davon in Ausstellungen zu zeigen. Die Ausstellungen hier werden von einem kenntnisreichen Publikum gesehen. Hier treffen sich Berufskollegen aus aller Welt, bewerten die Arbeiten und kommentieren sie. Dazu kommen die Besucherscharen, am Wochenende haben täglich 2.000 Menschen meine Ausstellung gesehen. In Deutschland fehlt solch ein wirklich internationales Festival, das auch Besucher aus dem Ausland in nennenswerter Zahl anzieht. Anders als  z.B. im Automobil- oder im Buchbereich, wo mit der Automobilausstellung oder der Frankfurter Buchmesse die wichtigsten Veranstaltungen ihrer Branche in Deutschland stattfinden, gibt es für den Fotojournalismus in Deutschland zur Zeit keine internationale Veranstaltung, denn die Photokina ist vorrangig eine Technologiemesse.

VISUELL: Ein häufig gehörter Kritikpunkt ist das sehr eng gefasste Verständnis von Fotojournalismus. Gezeigt werden vor allem Krieg und Elend, überwiegend aus der dritten Welt. Gibt es keine anderen Themen?

Gerd Ludwig: Natürlich bilden diese Themen einen Schwerpunkt des Festivals. Hier werden in großer Zahl Arbeiten gezeigt, die Missstände anprangern. Daneben werden aber auch andere Themen gezeigt, in diesem Jahr zum Beispiel Elliott Erwitt’s Personal Best. Aber eines ist klar: In Perpignan geht es um klassischen Fotojournalismus, das ist das Konzept des Festivals, wer etwas anderes sehen möchte, ist hier falsch.

VISUELL: Bezogen auf die Bildsprachen kann man ein ähnlich eng gefasstes Verständnis feststellen. Hier wird ausschliesslich die klassische Kleinbildreportage gezeigt. Junge Bildsprachen finden hier keinen Raum.

Gerd Ludwig: Ich habe mit dem hier gezeigten keine Probleme. Ich möchte das auch gar nicht werten und natürlich kann man Fotojournalismus auch weiter fassen. Meine Bildsprache ist jedoch der klassische Fotojournalismus.

VISUELL: Unter Fotojournalismus versteht man hier in Perpignan vor allem die Darstellung der Folgen von Kriegen und Krisen. Müssten Fotojournalisten denn aber nicht viel stärker versuchen, statt der Wirkungen von Auseinandersetzungen, ihre Ursachen zu zeigen, um so zu wirklichen Veränderungen beizutragen?

Gerd Ludwig: Gegenfrage: Was sind denn die Ursachen?

VISUELL: Zum Beispiel die ungleiche Verteilung von Kapital und Produktionsmitteln.

Gerd Ludwig: Den Überfluss der westlichen Industriegesellschaften sehen wir jeden Tag vor unserer Haustür, genau das wurde vor ein paar Jahren mit den Arbeiten von Lauren Greenfield über die Hollywood Kids gezeigt. Fotografie stösst irgendwann einfach an die Grenzen der Darstellbarkeit von Zusammenhängen. Ich kann nur den Krieg im Irak zeigen, dass es dabei um die Kontrolle der Ölvorkommen geht, kann ich in Fotos nicht darstellen. Das kann Fotografie nicht leisten, da ist Fotografie allein das falsche Mittel. Das können Worte oder Dokumentarfilme besser.

VISUELL: Arbeiten deutscher Fotografen sind in Perpignan sehr selten zu sehen. Woran liegt das?

Gerd Ludwig: Das hängt mit der mangelnden Auseinanderstzung deutscher Fotografen mit Themen von globalen Dimensionen zusammen. Deutsche Fotografen suchen immer den deutschen Ansatz, statt sich mit den internationalen Dimensionen eines Themas zu beschäftigen. Sie fotografieren lieber deutsche Sextouristen in Thailand, statt sich des globalen Themas Sextourismus zu widmen. Deutsche Fotografen lösen sich zu selten vom nationalen Kontext und haben eine Scheu, sich zu internationalen Themen zu äußern. Sehen Sie doch nur den Fall der Mauer, Antony Suau und James Nachtwey lieferten die wichtigsten Fotos. Selbst bei diesem Weltereignis im eigenen Land traten deutsche Fotografen kaum in Erscheinung. Auf der anderen Seite interessiert die Umwandlung der Zechen im Ruhrgebiet in Freizeitanlagen international niemanden. Man muß natürlich sehen, dass die heutige Situation auch historische Ursachen hat. Zwar ist Deutschland die Wiege des klassischen Fotojournalismus, durch die Nazi-Herrschaft und das Dritte Reich kam es aber zu einem Exodus an genialen Journalisten und Blattmachern wie Erich Salomon, Felix H. Man, Alfred Eisenstaedt und vielen anderen, der immer noch Folgen hat. Und da Deutschland keine bedeutende Kolonialmacht war und daher keine Einflussbereiche hatte, kam es selten zu einer direkten, emotionalen Auseinandersetzung deutscher Fotojournalisten mit Themen der dritten Welt. Sicher spielt aber auch die Ausbildung der Fotojournalisten in Deutschland hier eine Rolle. Es ist doch bezeichnend, dass nur Prof. Rolf Nobel aus Hannover hier ist und mit seinen Studenten eine Ausstellung zeigt.

VISUELL: Sie arbeiten fast ausschliesslich für die amerikanische Ausgabe von National Geographic, warum sieht man Sie nicht öfter in deutschen Magazinen?

Gerd Ludwig: Ich arbeite im Moment 80 % meiner Zeit für National Geographic, manchmal auch direkt für die deutsche Ausgabe. Hier habe ich einfach sehr gute Bedingungen. Natürlich würde ich gerne auch öfter für deutsche Magazine fotografieren, dazu müssten aber die Bedingungen stimmen. Das heißt neben einem vernünftigen Honorar auch ausreichend Zeit, sich dem Thema zu widmen und die Fotos in der Qualität zu erarbeiten, die ich mir vorstelle. Dazu gehören übrigens auch Tagesspesen – ich will schließlich fotografieren und mich nicht aus finanziellen Gründen mit dem Zubereiten der Mahlzeiten für meinen Assistenten und mich beschäftigen. Im Moment ist es doch so, daß deutsche Fotografen im eigenen Land das im Journalismus verdiente Taschengeld durch Werbung aufbessern müssen.

Gerd Ludwig

1947 geboren in Alsfeld / Hessen

1969 bis 1972 Studium Fotografie Folkwang Schule Essen bei Otto Steinert

Seit 1972 Fotograf für Magazine wie DER SPIEGEL, GEO, LIFE, stern, ZEITmagazin u.v.a.

Seit 1989 Reportagen für NATIONAL GEOGRAPHIC

Seither in der Stammmannschaft von NATIONAL GEOGRAPHIC

Mitglied bei VISUM seit 1974 (Gründungsmitglied)

http://www.gerdludwig.com