Die Strasse als Bühne
Januar 1, 2011 — 0:01

Streetphotography

Flanieren und fotografieren. Sich einfach treiben lassen, immer auf dem Sprung dem pulsierenden Nebeneinander des Lebens der Stadt eine fotografische Form zu geben. Kaum ein anderes Sujet fasziniert Foto-Journalisten mehr als die Streetphotography, und als Zeitdokumente gewinnen die Fotos vom Geschehen im öffentlichen Raum zunehmend an Bedeutung und immer mehr Liebhaber.  Der Beitrag „Die Strasse als Bühne – Streetphotography“ erschien in der Ausgabe 1/2011 der Zeitschrift Pictorial.

Perpignan. Foto: Insa Catherine Hagemann

Als in der Strassenbahn der Strom ausfiel – Bürgerreporter
Dezember 6, 2010 — 20:52

Ambitionierte Hobbyfotografen wollen ihre Fotos veröffentlicht sehen. Das ist legitim aber kein Journalismus.

Gewohnt souverän schafft Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg wie immer Spitzenwerte. In der Beliebtheit schlägt er die Bundeskanzlerin und wenn es um Nutzungsrechte an seinem Portrait geht überrundet er sogar Otto Waalkes. Während Fotos, die den alternden Komiker beim Schreiben von Autogrammen zeigen, für 25,- € zu haben sind, kostet ein einfaches Guttenberg-Foto auf der PlattformTvype das Doppelte. Nun sollte Otto aber nicht gleich verzweifeln, Fotos der Straßenbahn, die auf der Chausseestrasse in Berlin wegen Stromausfalls liegen geblieben ist, können Interessierte bereits für 15,- € erwerben. Die Preise sind so die Selbstdarstellung des Anbieters „professionell ermittelt“. Doch die Plattform leistet mehr: „Erfahrene Bildredakteure helfen interessierten Amateuren das maximale aus ihrem Hobby herauszuschlagen – einfach schnell und transparent.“ Doch nicht nur die Preiskalkulation ist einfach, auch ethische Fragen werden für interessierte Lieferanten gelöst. Die Plattform ist „Ihr Partner auf der Suche nach aktuellen, nutzergenerierten Inhalten. Wir kümmern uns um die Auswahl der Fotos/Videos und klären für Sie alle ethischen und rechtlichen Fragen.“ Alles also ganz einfach. Eigentlich muss man nur den Auslöser finden und das Foto hoch laden um weltweit wahrgenommen und veröffentlicht zu werden.

Seit Fotos digital fotografiert mit einer Kamera oder dem Handy sich über den eigenen Rechner im Internet präsentieren lassen kann jedermann und –frau dem weltweiten visuellen Overload weitere Beiträge hinzufügen. Demokratisierung nennen das die Verantwortlichen und sehen in ihrem Angebot einen Beitrag, die Inhalte der Medien mehr an den Interessen der Leser auszurichten. Kommen so doch endlich Themen auf die Agenda, die bisher dem Mainstream geopfert wurden. Und wenn man sich dann noch in einem Atemzug mit Wikileaks nennt bekommt der Gedanke gleich etwas Revolutionäres.

Schöne Idee.

Schon immer gab es Fotografinnen und Fotografen, die einfach zum eigenen Vergnügen Bilder machten. Seit Erfindung der Fotografie entstehen durch Amateure hervorragende Aufnahmen, die auch ihren Weg zur Veröffentlichung fanden. Auf dem Markt illustrativer Einzelbilder tummeln sich Fotografen, die aus Spaß an der Freude Bilder machen, die denen professioneller Fotografen in Nichts nachstehen und von Bildagenturen weltweit vertrieben werden. Technisch-handwerklich sauber gemacht dienen diese Bilder als Dekoration ohne Tiefgang und Bedeutung. Die Fotos haben keine Botschaft und transportieren keine Haltung. Beliebig einsetzbar und genauso austauschbar. Illustration – nur eben kein Journalismus. Journalismus ist etwas anderes. Journalismus ist die Übermittlung von Fakten und das Vertreten einer Haltung. Journalismus bedeutet Wichtiges vom Unwichtigen zu trennen. Journalismus braucht Zeit. Fakten recherchieren und überprüfen dauert solange wie es dauert. Um eine Position zu einem Geschehen zu entwickeln, muss es reflektiert werden. Die Publikation relevanter Informationen darf nicht davon abhängen, ob ein Autor gerade Zeit hat oder nicht, weil er noch einem anderen Job nachgehen muss um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Natürlich können auch Amateure bei aktuellen Ereignissen akzeptable fotografische Ergebnisse erreichen, die Masse schafft es aber leider nicht. Die überwiegende Zahl der Fotos der Bürgerreporter ist schlecht fotografiert und thematisch irrelevant – außer für diejenigen, die gerade in der Straßenbahn saßen, als der Strom ausfiel. Wenn Bürgerreporter als Ergänzung oder Ersatz für professionelle Journalisten angesehen werden, haben etablierte Medien durch ständige Einsparungen, die immer zu Lasten der Qualität gingen, dazu beigetragen, den Sinn für Qualität bis auf den absoluten Nullpunkt zu senken.

Schon immer suchten lokale Publikationen die Leser-Blatt-Bindung zu festigen durch die Verbreitung von „Informationen“ die von den Lesern aus der Region geliefert wurden. Unter dem Stichwort User-Generated-Content wurde diese Idee neu  verpackt – der Qualität hat es nicht gedient. Würde die Idee der Bürgerreporter auf die Fußballbundesliga übertragen werden, liefen nach der Winterpause ambitionierte aber nicht wirklich trainierte Freizeitkicker in die Stadien ein, um den überbezahlten Stars des runden Leders einmal zu zeigen, was auf dem Feld noch möglich ist – außer dem routinierten Abarbeiten angelernter Spielzüge. Vielleicht will das aber gar keiner sehen und vielleicht haben deshalb bisher sowohl Uli Hoeneß als auch Felix Magath auf die Umsetzung dieser Idee verzichtet. Auch wenn das Kicken auf Straßen und Plätzen seinen Reiz für die Macher haben kann, bleibt die Attraktivität für die Zuschauer gering.

Glücklicherweise besteht bei den Managern der Fußball-Vereine und den Amateurkickern ein größeres Bewusstsein für Qualität, als das bei Verlagsleitern der Fall ist, die ihre Publikationen durch die Arbeit der Bürgerreporter bereichern oder den Fotoamateuren die am Wochenende mal von der Titelseite träumen. Vor dem Hintergrund der heutigen Bedeutung von Bildern im Allgemeinen und Fotografie im Besonderen ist es an der Zeit, endlich ein Bewusstsein für Qualität in der Fotografie zu schaffen und Fotografie angemessen zu honorieren, statt sie nur als Kostenfaktor zu betrachten.

Ein Zwischenruf für Bildwerk3

Werbung für die Bullen?
November 11, 2010 — 22:52

Das Fotoprojekt „Hellfeld“ des Studiengangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie mit der Polizeidirektion Hannover

Zwischen Oktober 2010 und Januar 2011 begleiteten 12 Studierende des Studiengangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie der Hochschule Hannover auf Einladung der Polizeidirektion Hannover einzelne Beamte oder ganze Einheiten der Polizei rund um die Uhr und fotografierten ihren Arbeitsalltag. Die dargestellten Themen decken ganz unterschiedliche Aspekte der Polizeiarbeit ab. Ziel des Projektes war die Erstellung von 12 Bildstrecken über die Arbeit der Polizei Hannover. Bildstrecken, die anschließend als Teil der Öffentlichkeitsarbeit zur Darstellung der Polizeiarbeit sowohl nach Innen als auch nach Außen genutzt werden sollen. Die Fotografinnen und Fotografen waren aufgefordert, die Arbeit der Polizei zu beobachten und aus der jeweiligen Situation heraus in beobachtete Bilder zu übersetzen.

Download Einleitung: Werbung_fuer_die_Bullen_lb2011

Fussballeinsatz
November 11, 2010 — 22:51

Fotoreportage von Florian Müller im Rahmen des Projektes „Hellfeld“ 

Ihr martialischer Auftritt täuscht. Die PI-West in Hannover sucht die Deeskalation und meist sind sie dabei auch erfolgreich. Alle vierzehn Tage sind sie im Stadion am Maschsee, aber von den Fussball-Spielen sehen sie kaum etwas. Sie sind vor Ort bevor etwas passiert – damit das so bleibt.

„Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.“ (Jean-Paul Sartre). Dieses Zitat trifft auch auf die dritte Halbzeit zu, also die Zeit der mehr oder weniger verabredeten Auseinandersetzungen „erlebnisorientierter“ Fans verschiedener Vereine im Rahmen eines Fußballspiels.

Die Mannschaft der Polizeiinspektion West, die gewalttätige Ausschreitungen im Großen wie im Kleinen verhindern soll, gewährte mir einen offenen Einblick in ihre Aufstellung und Spieltaktik. Von den wiederkehrenden Vorwürfen über eine destruktive Spielweise durch die Kriminalisierung der Fans oder gar von „Hooligans in Uniform“ kann ich nichts berichten. Sie lassen ihrem „Gegner“ Raum, lauern und setzen abgeklärt auf Konter, um einen Angriff schon frühzeitig auszubremsen. Das Konzept der Mannschaft in Blau geht auf!

Spurensuche
November 11, 2010 — 22:48

Fotoreportage von Joanna Nottebrock im Rahmen des Projektes „Hellfeld“ 

Spurensuche im Anblick menschlicher Tragödien. Der Kriminaldauerdienst ermittelt bei Mord und Totschlag ebenso wie bei Einbruch und Vergewaltigung. Für die Tatortaufnahme zählen Details.

„90 Stunden Nachtschicht, 700 Kilometer im Streifenwagen, drei Vernehmungen, eine Verhandlung im Gericht und eine Schulung „Häusliche Gewalt“ machten mich in den letzten drei Monaten fast selbst zum Profi beim Einsatz in den privaten vier Wänden.“ So das Fazit von Joanna Nottebrock nachdem sie vier Monate die Arbeit der Spurensicherung beobachtete.

Nachtschicht
November 11, 2010 — 22:38

Fotoreportage von Ole Krünkelfeld im Rahmen des Projektes „Hellfeld“

Dealer, Exhibitionisten, Schläger. In der Nachtschicht begegnen die Beamten der Polizei all denjenigen, die sich am Rande der Gesellschaft bewegen – aber auch denen, die schon einen Schritt weiter sind.

Die Polizei steht an der Schwelle zwischen Zivilisation und Anarchie. Diese, zugegeben, etwas pointierte Darstellung entspricht im Kern doch meinem in zahlreichen Nächten gewonnenen Bild der Polizeiarbeit in Hannovers Mitte. Nur wenige Berufsstände in unserer Gesellschaft spüren so unmittelbar die Ausschläge gesellschaftlicher Veränderungen wie die Polizei.

In Bars, Clubs und Discotheken zeigt so mancher sein wahres Gesicht. Menschen werden zu Tätern und Opfern. Auch die großen Haie sind im Steintorviertel aktiv und versuchen, die ihnen gesteckten Grenzen auszuloten. Skurrile Nachtgestalten schlagen in der Polizeiwache auf. Viele harmlos, einige pathologisch. Im gleichen Maße in dem der exzessive Alkoholkonsum und die Gewalt steigen, sinkt die Anerkennung der Polizei als legitimierte Ordnungskraft. Trotzdem sind unentwegt jede Nacht Polizeibeamte unterwegs, um für etwas mehr Licht in der Dunkelheit zu sorgen.

Was ist schon normal in einer Beziehung?
November 11, 2010 — 22:11

Fotoreportage von Insa Catherine Hagemann im Rahmen des Projektes „Hellfeld“

Sie kommen zu selten und wenn kommen sie meist zu spät. Aber die Opfer decken die Täter meist viel zu lange. Gewalt im sozialen Nahraum geschieht im Verborgenen. In allen gesellschaftlichen Schichten.

Häusliche Gewalt hat nichts mit Liebe zu tun und ist auch nicht selten in unserer Gesellschaft. 95% aller Gewalt in Beziehungen geht von den Männern aus und Schätzungen zu Folge hat jede 3. Frau bereits Gewalt in einer Partnerschaft erlebt. Öffentlich wahrgenommen wird dies jedoch kaum, nur zu weit verbreitet ist das ungeschriebene Gesetz eine Partnerschaft sei Privatsache.

Psychischer Druck oder mangelnde Sprachkenntnis erschweren die Situation, so dass nur vereinzelt die Polizei bei Gewalt gerufen wird. Wird dann der Notruf als Funkmeldung 096 an die Polizei weitergegeben ist die Situation oft unklar. Frauen jeder sozialen Schicht, jeden Alters und jeder Konfession erleben Schläge, Tritte oder sogar Vergewaltigungen bis hin zum Totschlag. Doch fast schlimmer als die sichtbaren Spuren ist der psychische Druck durch Beleidigungen, Demütigen, Erniedrigen und Drohungen denen sich die Frauen nicht oder nicht mehr zur Wehr setzen. Die Polizei kann dabei oft wenig helfen und der Partner wird häufig niemals angezeigt.

Der Polizeifunk gab meinem Leben Halt und Orientierung
November 1, 2010 — 0:01

Polizei, Verbrechen und Fotografie

Verbrechen lohnt nicht, die Fotografie von Verbrechen schon – zumindest für Polizei und Fotojournalisten, die das Medium für ihre Zwecke einsetzen. Der Beitrag „Der Polizeifunk gab meinem Leben Halt und Orientierung“ erschien in der Ausgabe 6/2010 der Zeitschrift Pictorial.

Die Macht der Fotografie. Für Josef Honsa (rechts aussen) folgte auf diese Aufnahme ein längerer Gefängnisaufenthalt.

Wer herrschen will muss zu den Augen sprechen
August 1, 2010 — 0:01

Fotografie und Politik

Entscheidend ist nicht was einer sagt, sondern wie er dabei aussieht. Spätestens seit Richard Nixon ungeschminkt und schlecht rasiert im Fernsehduell gegen den jugendlichen und gut gebräunten John F. Kennedy unterlag ist den meisten Politikern die Bedeutung der Inszenierung ihres Images bewusst.  Der Beitrag „Wer herrschen will muss zu den Augen sprechen“ erschien in der Ausgabe 4/2010 der Zeitschrift Pictorial.

Jenseits der Monokultur
Juni 1, 2010 — 0:01

Bildsprache im Fotojournalismus

Bis vor wenigen Jahren war alles klar: Beim World Press Photo Award galten dieselben Regeln wie in einem Hollywood-Western. Gut und Böse waren klar zu unterscheiden, Täter und Opfer sofort erkennbar. Das ist heute anders. Der Artikel „Jenseits der Monokultur“ erschien in der Ausgabe 3/2010 der Zeitschrift Pictorial.

Download Artikel: jenseits_der_monokultur_bildsprache_lb2010

Handbuch Basiswissen
Januar 1, 2010 — 0:01

Rezension

Abschluss und Abwicklung von Verträgen, Existenzgründung, Kalkulation von Aufträgen, Künstlersozialkasse …. Der Inhalt hält, was der Titel verspricht – Basiswissen. Was die Autoren aus unterschiedlichen Bereichen der fotografischen Praxis zu ihren Themen schreiben ist lesenswert nicht nur für Einsteiger und hilft teure Fehler zu vermeiden.

BFF Handbuch Basiswissen, Wolfgang Maaßen (Hrsg), 368 Seiten, ISBN: 978-3-933989-43-7,http://www.bff.de

Die Kundenzeitschrift
Januar 1, 2010 — 0:01

Rezension

Während journalistische Zeitungen und Zeitschriften an Auflage verlieren, boomt der Markt der Haus-, Firmen- und Kundenzeitschriften. Kurt Weichler und Stefan Endrös beschreiben den Markt der Kundenzeitschriften, stellen ausgewählte Publikationen vor und beschreiben die Publikationen als Berufsfeld.

Die Kundenzeitschrift, Kurt Weichler und Stefan Endrös, 216 Seiten, ISBN 978-3-86764-263-7, Verlag: UVK Verlagsgesellschaft mbH, http://www.uvk.de

Schein und Sein
Mai 13, 2009 — 23:58

Kirchliches Leben in Ostfriesland – Fotoprojekt

Im Rahmen des Ausstellungsprojektes „Schein und Sein“ fotografierten Studierende der Hochschule Hannover 2009 in ganz Ostfriesland Fotostrecken zur Arbeit der Kirche und dem Leben im Umfeld der Kirchen. Entstanden ist so ein Zyklus von 11 persönlichen Blicken auf die Kirche in der Region. Erreicht wurde eine facettenreiche Darstellung Ostfrieslands, und des dort gelebten Glaubens. Die abwechslungsreiche Präsentation zeigt ein breites Spektrum von Themen und Darstellungsformen. In ihrer Gesamtheit geben die Arbeiten der Studierenden mit ihren ganz unterschiedlichen Ansätzen einen breiten Einblick in das kirchliche Leben im Alltag Ostfrieslands. Fotos von Insa Catherine Hagemann, Michael Hauri, Maria Irl, Jannis Keil, Nora Klein, Ann Sophie Lindström, Joanna Nottebrock, Matthias Popp, Felix Schmitt, Gretje Treiber und Alexander Ziegler.

Einen Bildermarkt gibt es nicht …
Januar 1, 2009 — 0:01

Zur Situation des Handels mit Bildrechten

Fragt man Branchen-Experten nach ihrer Einschätzung der Situation am Bildermarkt bekommt man sehr unterschiedliche Antworten. Fast scheint es, als betrachteten die Kenner nicht denselben Markt. Doch der Eindruck ist richtig – verschiedene Fachleute sprechen in der Regel tatsächlich über ganz unterschiedliche Märkte. Häufig, wenn über den Handel mit Fotos gesprochen wird, ist sogar unklar, was der einzelne überhaupt als Bildermarkt betrachtet. Der Beitrag „Einen Bildermarkt gibt es nicht …“ erschien 2009 und 2010 im BVPA Handbuch der Bildermarkt.

Neue Chancen für das stille Bild
Januar 1, 2008 — 0:01

Der Strukturwandel auf dem Medienmarkt

Trotz der Allgegenwart bewegter Bilder in den elektronischen Medien, hat das stehende Bild nicht nur seine Berechtigung sondern auch eine Zukunft. Denn allen Spekulationen über ihren baldigen Untergang zum Trotz, haben Zeitungen und Zeitschriften gerade im Internet-Zeitalter als Qualitätsmedien mehr denn je ihre Berechtigung. Der Strukturwandel auf dem Medienmarkt bietet damit auch neue Chancen für die Fotografie.  Der Beitrag „Neue Chancen für das stille Bild“ erschien 2008 im BVPA Handbuch der Bildermarkt.

Wie im echten Leben
Januar 1, 2007 — 0:01

Rezension

Aufgeklärte Zeitungsleser und informierte Fernsehzuschauer wissen es: Die Macher in den Redaktionen sind für ihre Berichterstattung angewiesen auf Korrespondenten. Die Männer und Frauen vor Ort recherchieren und finden über persönliche Kontakte die ganze Wahrheit der (Welt)-Geschichte heraus – oder eben nicht. In seinem Buch mit dem Untertitel „Von Bildern und Lügen in Zeiten des Krieges“ beschreibt Joris Luyendijk, der fünf Jahre als Korrespondent im Nahen Osten tätig war, wie weit weg vom Geschehen der Mann vor Ort oft ist und wie wenig er manchmal tatsächlich zur Aufklärung des Geschehens in seiner (vermeintlichen) Nähe beitragen kann.

Wie im echten Leben, Joris Luyendijk, 256 Seiten, ISBN: 978-3-608-50025-7, http://www.tropen-verlag.de

Bildethik
Januar 1, 2007 — 0:01

Rezension

Rechtlich nicht zu beanstanden und trotzdem problematisch? Das Anwachsen der Bildmengen in den Medien hat nicht dazu beigetragen, die Auseinandersetzung mit medienethischen Fragen zum Umgang mit Bildern zu befördern. Noch immer werden Bilder in medienethischen Auseinandersetzungen meist als Beiwerk zum Text behandelt. Stefan Leifert widmet sich dem Thema setzt sich auseinander mit „Theorie und Moral im Bildjournalismus der Massenmedien“, so der Untertitel des Buches.

Bildethik, Stefan Leifert, 328 Seiten, Wilhelm Fink Verlag, http://www.fink.de

Ich bin Fotograf und kein Koch …
Oktober 1, 2006 — 0:01

Gespräch mit National Geographic Fotograf Gerd Ludwig über seine Eindrücke des Visa pour l‘ Image in Perpignan 2006 und die Situation im internationalen Fotojournalismus. Das Gespräch erschien in der deutschen Ausgabe der Zeitschrift visuell 6/2006 und als englische Übersetzung in der internationalen Ausgabe 5/2006.

Mit einer Ausstellung im Programm des internationalen Festivals VISA POUR L‘ IMAGE in Perpignan präsentiert zu werden, ist für jeden Fotojournalisten eine besondere Auszeichnung. Der VISUM Fotograf Gerd Ludwig, der seit Jahren zur Stammmannschaft von National Geographic gehört, ist in diesem Jahr bereits zum dritten Mal mit einer Ausstellung in Südfrankreich vertreten. Vor der diesjährigen Ausstellung, The Long Shadow of Chernobyl, wurde 1995 seine Arbeit Lethal Legacy, Pollution In the USSR gezeigt. 2002 folgte seine Ausstellung Broken Empire – After the Fall of the USSR gleichzeitig mit dem Erscheinen des gleichnamigen Buches.

VISUELL: Die Arbeit wurde ja bereits in Ausstellungen gezeigt, was unterscheidet diese Präsentation in Perpignan von den vorangegangenen?

Gerd Ludwig: Die anderen Ausstellungen, unter anderem im Willy Brandt Haus in Berlin, waren Gruppenausstellungen, in denen ich auch Fotos aus Tschernobyl aus früherer Zeit gezeigt habe. Dies ist die erste grosse Tschernobyl-Einzelausstellung nur mit aktuellen Fotografien. Entscheidend für mich ist aber auch das Umfeld der Ausstellung. Die Fotos hängen hier auf dem wichtigsten internationalen Festival für Fotojournalismus. Der Organisator des Festivals, Jean-Francois Leroy, sucht weltweit nach den besten Reportagen für diese Präsentation. Nach meinen Informationen sichtet er dazu fast 4.000 Reportagen pro Jahr, um dann 30 davon in Ausstellungen zu zeigen. Die Ausstellungen hier werden von einem kenntnisreichen Publikum gesehen. Hier treffen sich Berufskollegen aus aller Welt, bewerten die Arbeiten und kommentieren sie. Dazu kommen die Besucherscharen, am Wochenende haben täglich 2.000 Menschen meine Ausstellung gesehen. In Deutschland fehlt solch ein wirklich internationales Festival, das auch Besucher aus dem Ausland in nennenswerter Zahl anzieht. Anders als  z.B. im Automobil- oder im Buchbereich, wo mit der Automobilausstellung oder der Frankfurter Buchmesse die wichtigsten Veranstaltungen ihrer Branche in Deutschland stattfinden, gibt es für den Fotojournalismus in Deutschland zur Zeit keine internationale Veranstaltung, denn die Photokina ist vorrangig eine Technologiemesse.

VISUELL: Ein häufig gehörter Kritikpunkt ist das sehr eng gefasste Verständnis von Fotojournalismus. Gezeigt werden vor allem Krieg und Elend, überwiegend aus der dritten Welt. Gibt es keine anderen Themen?

Gerd Ludwig: Natürlich bilden diese Themen einen Schwerpunkt des Festivals. Hier werden in großer Zahl Arbeiten gezeigt, die Missstände anprangern. Daneben werden aber auch andere Themen gezeigt, in diesem Jahr zum Beispiel Elliott Erwitt’s Personal Best. Aber eines ist klar: In Perpignan geht es um klassischen Fotojournalismus, das ist das Konzept des Festivals, wer etwas anderes sehen möchte, ist hier falsch.

VISUELL: Bezogen auf die Bildsprachen kann man ein ähnlich eng gefasstes Verständnis feststellen. Hier wird ausschliesslich die klassische Kleinbildreportage gezeigt. Junge Bildsprachen finden hier keinen Raum.

Gerd Ludwig: Ich habe mit dem hier gezeigten keine Probleme. Ich möchte das auch gar nicht werten und natürlich kann man Fotojournalismus auch weiter fassen. Meine Bildsprache ist jedoch der klassische Fotojournalismus.

VISUELL: Unter Fotojournalismus versteht man hier in Perpignan vor allem die Darstellung der Folgen von Kriegen und Krisen. Müssten Fotojournalisten denn aber nicht viel stärker versuchen, statt der Wirkungen von Auseinandersetzungen, ihre Ursachen zu zeigen, um so zu wirklichen Veränderungen beizutragen?

Gerd Ludwig: Gegenfrage: Was sind denn die Ursachen?

VISUELL: Zum Beispiel die ungleiche Verteilung von Kapital und Produktionsmitteln.

Gerd Ludwig: Den Überfluss der westlichen Industriegesellschaften sehen wir jeden Tag vor unserer Haustür, genau das wurde vor ein paar Jahren mit den Arbeiten von Lauren Greenfield über die Hollywood Kids gezeigt. Fotografie stösst irgendwann einfach an die Grenzen der Darstellbarkeit von Zusammenhängen. Ich kann nur den Krieg im Irak zeigen, dass es dabei um die Kontrolle der Ölvorkommen geht, kann ich in Fotos nicht darstellen. Das kann Fotografie nicht leisten, da ist Fotografie allein das falsche Mittel. Das können Worte oder Dokumentarfilme besser.

VISUELL: Arbeiten deutscher Fotografen sind in Perpignan sehr selten zu sehen. Woran liegt das?

Gerd Ludwig: Das hängt mit der mangelnden Auseinanderstzung deutscher Fotografen mit Themen von globalen Dimensionen zusammen. Deutsche Fotografen suchen immer den deutschen Ansatz, statt sich mit den internationalen Dimensionen eines Themas zu beschäftigen. Sie fotografieren lieber deutsche Sextouristen in Thailand, statt sich des globalen Themas Sextourismus zu widmen. Deutsche Fotografen lösen sich zu selten vom nationalen Kontext und haben eine Scheu, sich zu internationalen Themen zu äußern. Sehen Sie doch nur den Fall der Mauer, Antony Suau und James Nachtwey lieferten die wichtigsten Fotos. Selbst bei diesem Weltereignis im eigenen Land traten deutsche Fotografen kaum in Erscheinung. Auf der anderen Seite interessiert die Umwandlung der Zechen im Ruhrgebiet in Freizeitanlagen international niemanden. Man muß natürlich sehen, dass die heutige Situation auch historische Ursachen hat. Zwar ist Deutschland die Wiege des klassischen Fotojournalismus, durch die Nazi-Herrschaft und das Dritte Reich kam es aber zu einem Exodus an genialen Journalisten und Blattmachern wie Erich Salomon, Felix H. Man, Alfred Eisenstaedt und vielen anderen, der immer noch Folgen hat. Und da Deutschland keine bedeutende Kolonialmacht war und daher keine Einflussbereiche hatte, kam es selten zu einer direkten, emotionalen Auseinandersetzung deutscher Fotojournalisten mit Themen der dritten Welt. Sicher spielt aber auch die Ausbildung der Fotojournalisten in Deutschland hier eine Rolle. Es ist doch bezeichnend, dass nur Prof. Rolf Nobel aus Hannover hier ist und mit seinen Studenten eine Ausstellung zeigt.

VISUELL: Sie arbeiten fast ausschliesslich für die amerikanische Ausgabe von National Geographic, warum sieht man Sie nicht öfter in deutschen Magazinen?

Gerd Ludwig: Ich arbeite im Moment 80 % meiner Zeit für National Geographic, manchmal auch direkt für die deutsche Ausgabe. Hier habe ich einfach sehr gute Bedingungen. Natürlich würde ich gerne auch öfter für deutsche Magazine fotografieren, dazu müssten aber die Bedingungen stimmen. Das heißt neben einem vernünftigen Honorar auch ausreichend Zeit, sich dem Thema zu widmen und die Fotos in der Qualität zu erarbeiten, die ich mir vorstelle. Dazu gehören übrigens auch Tagesspesen – ich will schließlich fotografieren und mich nicht aus finanziellen Gründen mit dem Zubereiten der Mahlzeiten für meinen Assistenten und mich beschäftigen. Im Moment ist es doch so, daß deutsche Fotografen im eigenen Land das im Journalismus verdiente Taschengeld durch Werbung aufbessern müssen.

Gerd Ludwig

1947 geboren in Alsfeld / Hessen

1969 bis 1972 Studium Fotografie Folkwang Schule Essen bei Otto Steinert

Seit 1972 Fotograf für Magazine wie DER SPIEGEL, GEO, LIFE, stern, ZEITmagazin u.v.a.

Seit 1989 Reportagen für NATIONAL GEOGRAPHIC

Seither in der Stammmannschaft von NATIONAL GEOGRAPHIC

Mitglied bei VISUM seit 1974 (Gründungsmitglied)

http://www.gerdludwig.com